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Herzlich Willkommen

Geschichte

Oppenwehe gehört mit zu den ältesten Orten in der heutigen Gemeinde Stemwede, begrenzt von den Kirchengemeinden Preußisch Ströhen, Rahden, Wehdem, Brockum und Wagenfeld (Niedersachsen).

Nach Preußisch Ströhen ist sie die am weitesten im Norden gelegene Gemeinde des Kirchenkreises Lübbecke und eine der nördlichsten Gemeinden der Evangelischen Kirche in Westfalen.

1227 erwähnt eine Urkunde zum ersten Mal den Ortsnamen Oppenwehe, als der Ritter Helimbertus von Manen (Mehnen) vier Höfe in Oppenwehe an das neugegründete Kloster Levern verkaufte. In der Folgezeit war fast ganz Oppenwehe dem Kloster Levern eigen.

Bevor die Kirche in Wehdem gebaut wurde, gab es in Oppenwehe bereits eine Kapelle bzw. Klus.

Kirchenchronik: Passus aus der Mindeschen Kirchengeschichte 1753 G.H. Schlichthaber, Pastor Mindesch :

"Die Klus stand im Garten des Kolons Rohlfing Nr. 2. Noch heute bezeichnet man diese Stelle als Klusgarten. Die Kapelle stand an geweihter Stätte. Darauf soll die Ortsbennenung Oppenwehe zurückzuführen sein: Op den Weihden = auf dem geweihten Orte."


"Alte Klus" um die Jahrhunderwende



Vom 14. Jahrhundert bis in die Zeit der Reformation hielt der Probst von Levern alljährlich nach Mariä Geburt (8. September) den Gottesdienst zum Gedenken an die Einweihung (Kirchweihfest).

Dem Gottesdienst schloss sich eine Prozession an. Mit ihr verbunden war die "lange" Kirchmesse oder Kirmesse, die sich von der Klus bis zum alten Postweg hinzog. Besucher kamen von nah und fern, besonders auch aus Ströhen und Wagenfeld.

Wagenfeld war zu der Zeit Wehdem bzw. Oppenwehe eingepfarrt und hatte auch in der Kapelle zu Oppenwehe einen besonderen Eingang, die "Wagenfeldsche Tür".

Der Oppenweher Markt (Kirmes) wird bis heute abgehalten.

1330 erhielt Wehdem eine Kirche. Seitdem wurde für die Oppenweher Gemeinde die Wehdemer Kirche das eigentliche Gotteshaus.

In der Kapelle fanden allmählich nur noch sieben Gottesdienste im Jahre statt. Am Sonntag vor Mariä Geburt und dann noch sechsmal in der Fastenzeit.

Um 1550 kam die Reformation auch nach Oppenwehe, spätestens nach 1583, als im früheren Bistum Minden nur noch evangelisch-lutherische Prediger anerkannt wurden.

Es ist nicht festzustellen, ob die Klus im Dreißigjährigen Krieg abgebrannt ist oder ob sie abgebrochen wurde, weil sie für Oppenwehe zu klein geworden war.

Die Einwohnerzahl Oppenwehes nahm ständig zu und ist bis heute auf über 2000 gestiegen.

Früher gehörte Oppenwehe pfarramtlich zur Gemeinde Wehdem, wurde 1947 zweiter Pfarrbezirk von Wehdem und 1961, nach Abtrennung von Wehdem, selbständige Kirchengemeinde.

Die Chronik hebt aber ausdrücklich hervor, dass die ursprüngliche Oppenweher Kapelle nicht eine Filia (Tochter), sondern eine Soror (Schwester) der Wehdemschen Kirche war.

Tatsache ist, dass nach 1648 eine neue Kapelle errichtet wurde. Sie stand an der Hauptstraße und hatte neben dem Altar einen Taufstein und eine Opferurne. Unter dem Schalldeckel der Kanzel hing lose eine aus Holz geschnitzte Taube, das Symbol des Heiligen Geistes. Vier schmucke Glasfenster mit Johannes, Paulus, Petrus und Jakobus waren als Kanzelfenster eingebaut.
Sie sind noch erhalten und in der Sakristei und in der Taufkammer der jetzigen Kirche eingebaut.

 


Innenraum der "Alten Klus"


1808 wurde neben der Kapelle ein Friedhof (Kirchhof) angelegt. Da dieser, infolge Zuzugs nach dem zweiten Weltkrieg, zu klein und eine Erweiterung wegen der Lage und Bodenverhältnisse nicht möglich war, legte die Gemeinde 1950 in der Nähe der Kirche einen neuen geräumigen Friedhof an.

Das Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege fügt sich zwischen Kirche und Friedhof gut ein. Als 1847 in Preußisch-Ströhen eine eigene Kirchengemeinde gebildet wurde, wurden bis 1890 fast alle Tielger Einwohner, die bis dahin zur Kapellengemeinde Oppenwehe gehörten, nach Preußisch-Ströhen eingepfarrt.

Kriegerdenkmal

 

Seit der Jahrhunderwende (in das 20.ste Jahrhundert) und davor bemühte man sich, eine selbständige Kirchengemeinde zu werden. Verhandlungen mit dem Konsistorium in Münster wurden aufgenommen, um den Bau einer neuen Kapelle zu erwirken.

Eine Geldsammlung vom 2. Januar 1900 erbrachte den Betrag von 407 Mark, für die damalige Zeit eine beachtliche Summe Geld.

Als vor dem ersten Weltkrieg die Baufälligkeit der Kapelle von der Behörde festgestellt und die Benutzung für gottesdienstliche Zwecke stark eingeschränkt wurde, beschloss man, eine neue Kirche zu bauen. Es dauerte noch 30 weitere Jahre, dann war es soweit.

1914 machte das Konsistorium in Münster den Vorschlag, in Oppenwehe eine 2. Pfarrstelle einzurichten. Im Presbyterium entschied man sich für eine Hilfspredigerstelle. 1919 kam dann Pfarrer Kopmann als erster Seelsorger nach Oppenwehe. In der Zeit bis 1922 waren 3 weitere Hilfsprediger da, leider blieb keiner, da es an einer Wohnung fehlte.

Man baute daher ein Pfarrhaus, das im Herbst 1922 bezugsfertig war.

Als 5. Hilfsprediger konnte Pfarrer Heilmann dann im Dezember 1922 Einzug in das neu erbaute Pfarrhaus halten.

Das Grundstück dazu stellte die politische Gemeinde Oppenwehe zur Verfügung, auf dem damals noch mit Tannen bewachsenen Platz wurde acht Jahre später nebenan auch die neue Kirche erbaut.

Martini-Kirche 1935

 

Die Geschichte des Posaunenchores Oppenwehe beginnt 1924.
Großzügige Spenden der Gemeindemitglieder machten es möglich, dass Pastor Heilmann und Heinrich Spreen Nr. 20 Musikinstrumente in Bethel kauften und mit Wilhelm Lübbe und Heinrich Spreen Nr. 73 den Posaunenchor gründeten.

Der Posaunenchor konnte im Juni 1974 auf sein 50-jähriges Bestehen zurück blicken. Seine zahlreichen Dienste zum Lobe Gottes werden in der Gemeinde gern entgegen genommen.

Auch eine Gemeindeschwesternstation (heute Diakoniestaion Nord, Rahden) hatte Oppenwehe seit 1924. Sie war besetzt mit der Bethel-Diakonisse Marie Druhmann aus Büttendorf. Ihren schweren Dienst in der weitläufigen Gemeinde versah sie über 30 Jahre lang. Sie benutzte zur Bewältigung der Sand- und Moorwege einen Zweiradwagen, um die Kranken, Pflegebedürftigen und Alten der Gemeinde zu versorgen.

Sie wohnte zunächst bei Wilhelm Redeker Nr. 220 und danach im Kirchturm der neu erbauten Kirche.

Pastor Heilmann wurde ab 1. Januar 1926 nach Selen, Krs. Unna, versetzt.

An seine Stelle trat am 1. Februar 1926 Pastor Dodt aus Hille, Krs. Minden (ein Sohn des Pr. Ströher Pfarrers) seinen Dienst an.

Im Mai 1928 kam der Kreissieker Hellweg aus Recklinghausen nach hier, die Ordination fand am 22. Juli 1928 durch Superintendent Höller in der hiesigen Kapelle statt.

1929 kam Pastor Selenke als neuer Seelsorger nach Oppenwehe.

1930 kommt es zur Gründung eines eigenen Presbyteriums, Presbyter sind die Herren Spreen, Buck, Büttemeier,Redeker, Wollmann und Pastor Selmke. Wilhelm Spreen Nr. 20 übernimmt das Amt des Kirchenmeisters.

Man beschließt einstimmig den "Kapellen-Neubau". Eine Abordnung des Prexbyteriums führt am 2. Mai 1930 zum Generalsuperintendenten zwecks persönlicher Aussprache nach Münster.

Nach mehreren Bitten in der Folgezeit, Baufälligkeit der alten Kapelle und großer Opferwilligkeit der Gemeinde werden hervorgehoben; erteilt das Konsistorium In Münster am 29. Oktober 1930 die Baugenehmigung zur Errichtung einer Kirche (nicht Kapelle) mit Vreerinsräumen.

Am 5. November 1930 wird der Abbruch der alten Kapelle genehmigt.

Kirchmeister Bauer Wilhelm Spreen Nr. 20 und mit ihm zahlreiche Einwohner setzten sich für den Bau der neuen Kirche auf dem sogenannten "Vadenkamp" ein; während andere sie lieber ander Stelle, wo die Kapelle stand, gesehen hätten.

Erst von einem Vertreter des Provizialsynodalvorstandes aus Münster wurde die Platztfrage endgültig entschieden.

Der Entwurd für den Kirchbau kam aus Bielefeld, die örtliche bautechnische Leitung hatte Baumeister Fangmann aus Sielhorst.

Zu dem Kostenanschlag von 62.000 Mark musste die Gemeinde Oppenwehe 20.000 Mark in einer Umlage aufbringen.

Tatsächlich wurden nur 17.000 Mark benötigt. Eine freiwillige Zeichnung hatte schon vorher den Betrag von 10.000 Mark erhoben; einem Landessonderausschuss wurde die weitere Finanzierung und durch Spenden aus der Bevölkerung sicher gestellt.

Oppenweher Handwerker schufen die Einrichtungen für das neue Gotteshaus.

Wilhelm Spreen (Kirchmeister) stiftete dazu die aus schwerem Eichenholz angefertigte Kanzel.

Zwei von der Kirchengemeinde Pr. Ströhen geschenkte Glocken und die Glocke aus der Kapelle bildeten das erste Geläut der Kirche.

 

Zu feierlicher Weise wurde am 9. November 1930 die Grundsteinlegung zur neuen Kirche vollzogen. Die Sonne schenkte ihre letzten goldenen Strahlen des Tages, um nach der würdigen und eindrucksvollen Feier einem grauen Regenwetter das Feld zu überlassen.

Die ganze Gemeinde nahm an dieser feierlichen Handlung teil.

Mit Girlanden hatte man den Platz in schöner und prächtiger Weise geschmückt. Im Rahmen von Posaunenvorträgen, Gesangsvorträgen des Jungfrauenvereins Oppenwehe und des gemischten Chores von Wehdem und gemeinsamen Gesängen der Gemeinde standen die herzlichen und tiefer gehenden Ansprachen, die von großer Liebe zur Kirchengemeinde getragen waren.

Das Presbyterium von Oppenwehe und Wehdem begrüßte Pastor Nachtigall, Wehdem, der in seiner Ansprache herzliche Begrüßungsworte an die Gemeinde richtete und Worte aus Esra 3/ Vers 10 - und da die Bauleute den Grund legten am Tempel des Herrn - und Epheser 2/ Vers 19 - so seid Ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge, brauchte.

"Heute zur Grundsteinlegung möchte ich allen, besonders aber D. Zöllner, ein herzliches Willkommen zu rufen. Wir sind gewohnt, in ihm den Führer zu sehen, der bahnbrechend und wegweisend in großen kirchlichen Fragen uns recht Sehen und Lesen gelehrt hat. Aber wir durften auch erfahren, dass er nicht nur groß im Großen, sondern auch im Geringsten ist; dass er sich der Geringsten annimmt und der Einladung der Gemeinde folgt und sie nicht zu klein erachtet, um an dieser wichtigen feier persönlich teil zu nehmen. Es ist Herrn D. Zöllner persönlich zu danken, dass 1919 Oppenwehe seine kirchliche Selbständigkeit erhielt.

Trotz Theologenmangels blieb die Stelle eines Hilfsgeistlichen niemals unbesetzt."

Alsdann begrüßte Pastor Nachtigall in herzlicher Weise die Amtsbrüder aus Dielingen., Levern, Brockum und Wagenfeld; den Vertreter der politischen Gemeinde, Bürgermeister Röhling; ganz besonders auch die treuen Handwerker, deren fleißigen Händen die Errichtung des Gotteshauses anvertraut war.

Mit Gebet schloss Pastor Nachtigall:
"Herr, Gott, hilf, Herr, Gott, lass es wohl gelingen."

Generalsuperintendent D. Zöllner sprach dann die Festrede:
"Die Urkunde zur Grundsteinlegung der jetzigen Kirche lautet: ‚Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Jahre des Herrn 1930, als Paul von Hindenburg des Deutschen Reiches Präsident war, ist am XXI. Sonntag nach Dreifaltigkeit, dem 9. November im Beisein des Herrn Generalsuperintendenten von Westfalen, D. Zöllner, dieser Grundstein gelegt... Der allmächtige Gott fördere diesen Bau und behüte und bewahre alle, die daran arbeiten.
Er lasse ihn entstehen zu einer Wohnung seines heiligen Namens und gebe Gnade, dass Ströme unvergänglichen Segens ausgehen immerdar, Amen."

Den ersten Hammerschlag vollzog D. Zöllner mit den Worten: "Die Kirche ist Gottes, Christen sind die Bauleute, Gott schütze den Bau"

Das Schlusswort zu der feierlichen Grundsteinlegung für ein neues Gotteshaus in Oppenwehe sprach Pastor Selmke. Er verlas herzlichst gehaltene Schreiben der Herren Landrat von Borries, des Baumeisters Sybold, des früheren Pfarrers Friedrich Doth und führte weiter aus:

"Tief bewegt haben wir alle an dieser Feier teil genommen. Die kommenden Zeiten werden solche der Arbeit und der Mühe sein.
Zu uns wird tiefer Dank gegen den lebendigen Gott sein, der nun den Plan zum ersten Ziel gebracht hat."

Mit einem Gebet schloss Pastor Selmke.

Nachdem die Gemeinde das "Vater unser" gebetet hatte, erteilte Herr Generealsuperintendent D. Zöllner den Segen.

Am 26 Juli 1931 konnte nach einer relativ kurzen Bauzeit und mit großer Opferbereitschaft vieler Gemeindemitglieder die Kirche eingeweiht werden.
Sie bekam nach Martin Luther den Namen "Martinikirche".

Eine mehr als zweitausendköpfige Menschenmenge hatte sich unter Beteiligung zusätzlicher Geistlicher der Nachbargemeinden sowie verschiedener Behördenvertreter zusammen gefunden, um der Einweihung des neuen Gotteshauses bei zu wohnen.

Unter Mitwirkung der Posaunenchöre Wehdem und Oppenwehe sowie des gemischten Chores Wehdem und des Jungfrauenvereins Oppenwehe nahm die Feier auf dem Friedhof, an der Stelle, wo früher die alte Kapelle stand, ihren Anfang.

Es sollte Abschied genommen werden von der Heiligen Stätte, an der früher die Kapelle gestanden hatte.

Pastor Nachtigall, Wehdem, sprach über die Bedeutung dieser Stunde unter Zugrundelegeung des Bibelwortes. "Wir haben keine bleibende Stätte, die zukünfige suchen wir".

Der lange Festzug bewegte sich dann zum neuen Gotteshaus, an der Spitze der Posaunenchor, die Schulkinder und die Chöre.

Es folgten: Konsitorialrat Dr. Hagemann, Pastor Nachtigall, Pastor Selmke; die erschienene Pfarreischaft; die Vertreter der Behörden; die Bauleiter; die Kirchenvertreter; die Gemeindevertreter; dann die Gemeinde.

Die Weihe nahm Dr. Hagemann vor, das Wort Lukas 11/Vers 28 legte er seiner Predigt zugrunde: "Ja selig sind die, die das Wort Gottes hören und bewahren".

Zuvor hatte Architekt Freudemann, Bielefeld, das Wort ergriffen und allen für die Arbeit gedankt. Er übergab dann die Schlüssel der Kirchenbehörde.

Dr. Hagemann gab dann dann den Schlüssel weiter an Pastor Nachtigall. Pastor Nachtigall sprach die Worte: "Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit"; er reichte den Schlüssel weiter an den Pfarrer der Gemeinde, Pastor Selmke, der die Worte sprach:" Wer ein- und ausgeht durch diese Tür, der soll bedenken für und für, dass unser Heiland Jesus Christ die rechte Tür zum Himmel ist.
Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes öffne ich hiermit die Tür dies' neuen Gotteshauses. Ein schönes Gotteshaus ist in Oppenwehe entstanden."

Der Kirchturm, etwa 25 m hoch, trägt eine schöne Turmuhr; der Gesamtraum der Kirche beträgt etwa 500 qm und enthält 270 Sitzplätze.

Als erstes Geläut haben drei Glocken im Turm ihren Platz gefunden, die alte Oppenweher und zwei aus Pr. Ströhen.


Glockeneinbau 1931

 

Eine dieser Glocken wurde später von Oppenwehe an die Kirchengemeinde Levern weiter gegeben und erhielt ihren Platz an der Rückseite der Schule in Twiehausen. Als dieses Gebäude nach dem Neubau einer Schule zu einer Kapelle umgebaut wurde, ging die Glocke als Geschenk der Gemeinde und im Dienste der Mission nach Tansania, wo ihr Klang noch heute die Gläubigen zu Andacht und Gebet ruft.

Das Turmkreuz ist 3 Meter hoch, daran die Kugel prangt, stammt vom Schmiedemeister Biljes. In die Turmkugel neben gangbaren Münzen folgende Inschrift eingelötet: "Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen!"

Im Jahre des Heils 1931 wurde diese Kupferkugel an der Turmspitze fest gemacht. Sie ist ein Meisterwerk des Klempnermeisters Holle, aufgesetzt vom Dachdeckermeister Dorbes aus Varrel, heute Diepholz. Der Turm selbst ist gerichtet vom Zimmermeister Gärtner.

Die Glocken werden so lange zum Gottesdienst rufen, bis die Gemeinde neue Glocken beschaffen kann.

"Auch eine Orgel soll später beschafft werden. Mit dem Einzug in die neue Kirche hebt nun ein neuer Abschnitt im Leben der Gemeinde an. So darf die Gemeinde Oppenwehe vom heutigen Sonntag wohl mit Recht sagen, nur selten einer Gemeinde vergönnt, einen Tag von so großer Bedeutung zu begehen."

Die Kirche macht in ihrem Gesamtbild einen freundlichen Eindruck.

Die Opferbereitschaft der Bevölkerung Oppenwehes ging weiter. Sie spendeten Geld für eine Orgel, die am 22. Juli 1932 eingeweiht werden konnte.
Ein Harmonium, das vorher in der Kapelle stand, hatte bis dahin seinen Dienst versehen. Superintendent Möller nahm die Einweihung der Orgel vor. Posaunen- und Kirchenchor wirkten an der Ausgestaltung der Feier mit.

Das Pfarrhaus wurde 1935 räumlich erweitert und aufgestockt. Pastor Selmke, der 1929 nach Oppenwehe kam, bliebis 1939 als Seelsorger in der Kirchengemeinde Oppenwehe.

Dann kam der zweite Weltkrieg.

Nach Pastor Selmke kam Pastor Berthold, der bald darauf die Pfarrstelle mit Pastor Niepmann tauschte. Niepmann wurde kurze Zeit später Soldat, sodass während des Krieges in Oppenwehe verschiedene Pastoren so Wittenberg und Dr. Honemeyer, Dienst taten.

Honemeyer gründete 1944 einen Knabenchor.

Die Dienstgeschäfte wurden von Frau Niepmann in Abwesenheit ihres Mannes mit Liebe und Hingabe geführt.

Auch die damalige Gemeindeschwester Marie, die im Turm der Kirche ihre Wohnung hatte, trug viel zum Gemeindeleben bei.

Im Jahre 1947 wurde dann die Hilfspredigerstelle in Oppenwehe in die zweite Pfarrstelle der Kirchengemeinde Oppenwehe umgewandelt. Pastor Hensel hatte sie als erster Seelsorger inne.

Am 7. April 1949 wurden drei neue Glocken feierlich eingeholt. An der Ortsgrenze war man auf den Beinen zum Empfang der Glocken und im festlichen Zuge ging es zur Kirche.
Nahezu das ganze Dorf nahm daran teil.

Noch am gleichen Tage wurde die große Glocke hoch gezogen, die beiden anderen am Tage darauf.

In der Kirche wies Pastor Hensel auf die Bedeutung des Tages hin. Kirchen- und Posaunenchor verschönten die Feier. Die Festfreude erreichte ihren Höhepunkt, als am Ostersonntag die Weihe der Glocken erfolgte.

Superintendent Leutiger, Lübbecke, vollzog den Weiheakt und legte seiner Festpredigt Worte aus dem ersten Brief an die Korinther zugrunde. "So mögen auch die neuen Glocken Osterglocken sein, die die Botschaft von dem Auferstehenden verkünden. Möge ihre Stimme nie vergeblich erschallen!"; das war die Mahnung, die der Superintendent an die Gemeinde richtete.

Das neue Glockengeläut wurde vom Bochumer Verein geliefert, es besteht aus drei Glocken. Die größte ist im Durchmesser 1,70 Meter und auf den Ton "D" abgestimmt. Sie weist die Inschrift auf:"Seid fröhlich in Hoffnung" und hat ein Gewicht von 50 Zentner.

Der Klöppel allein wiegt 3 Zentner.

Die mittlere Glocke besitzt einen Durchmesser von 1,43 Metern, ist auf den Ton "F" abgestimmt und trägt die Inschrift "Wandelt in der Liebe". Sie wiegt 30 Zentner, der Klöppel 2 Zentner.

Die kleinste ist auf "G" abgestimmt und hat immerhin noch 1,27 Meter im Durchmesser und das Gewicht von 22 Zentnern; mit einem Klöppel von von 166 Pfund. Ihre Inschrift lautet "Stehet fest im Glauben".

Der von Fa. Biljes gelieferte Glockenstuhl wiegt 30 Zentner. Das elektrische Käutwerk baute Fa. Kuhlo, Herford, ein.

Der Betrag von 17.000 Mark wurde wieder durch die Opferbereitschaft der Bevölkerung aufgebracht.

Im Ewigkeitssonntag 1950 weihte die Gemeinde ihren neuen Friedhof in der Nähe der Kirche ein; der alte Friedhof an der Hauptstraße (Kapelle und Alte Schule) war zu eng geworden.

Nach Pastor Hensel - 1947 - 1955 - war die Pfarrstelle für kurze Zeit vakant. Es kam dann Pastor Roth, zuletzt in Burgsteinfurt, Krs. Tecklenburg, tätig, nach Oppenwehe.

Erst 1959 konnte dann laut einer Urkunde vom 1. Juli 1926 - Evangelisches Konsistorium in Münster - die Absicht der Selbständigkeit der Kirchengemeinde Oppenwehe Wirklichkeit werden.

Die bisherige 2. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Wehdem geht auf die Ev.-luth. Kirchengemeinde Oppenwehe über.

1965 kam Pastor Vollmer aus Niederdornberg (bei Bielefeld) nach Oppenwehe und blieb bis zum Fortgang nach Dinker, Krs. Soest, im Jahr 1972.

Am 5.1.67 starb Wilhelm Spreen, Nr. 20, im Alter von 93 Jahren, bekannt als jahrzehntelanger Kirchmeister. Für Verdienste um die Kirchengemeinde Oppenwehe und segensreiche Tätigkeit wurde er zum Ehrenkirchmeister ernannt.

Am 24. Mai 1967 wurde im Presbyterium die Anschaffung einer neuen Orgel beschlossen.

Die heutige innere Gestalt der Kirche erhielt sie nach Renovierung und Umbau 1967.

Während der Umbauzeit fand der Gottesdienst in der der Aula der Grundschule Oppenwehe statt.

Am Erntesonntag, 1. Oktober 1967, konnte die in neuem Glanz strahlende Kirche wieder eingeweiht werden.

Die Festpredigt hielt Dr. Begemann, Lübbecke. Am Nachmittag sprach "Altpfarrer" Hensel aus Hagen/Westfalen.

Der Konfirmandensaal wurde umgebaut und wird als erweiterter Kirchenraum genutzt.

Zur Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege wurde im Vorraum der Kirche ein Namensbuch angelegt.

Das kreuzförmige Glasmosaik mit dem weinstockumrankten Christusmonogramm, der Altar mit seinem strengen Bronzekruzifix, die handmodellierten, ebenfalls bronzenenen Altarleuchter und das Antependium (Altartuch), auf dem der Fischzug des Petrus dargestellt ist, geben dem Inneren der Martinikirche ihr besonderes Gepräge. Die Kunstwerke stammen von der Bildhauerin Eva Limberg und der Bildweberin Johanna Rahn.

In einem Festgottesdienst am 6. September 1970 wurde die neue Orgel ihrer Bestimmung übergeben und eingeweiht. Frau Hiltrud Wolff (Kreiskirchenmusikwart) spielte sie zum ersten Mal vor der zahlreich erschienenen Gemeinde.