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Oppenweher in Tansania

(von Andrea Schäffer)...Für 2 Wochen flog eine kleine Delegation des heimischen Kirchenkreises in den Partnerkirchenkreis Bweranyange nach Tansania, um Partnerschaft zu leben und viele Begegnungen zu haben. Klaus und Andrea Schäffer aus Oppenwehe wollten viele Bekannte und Freunde treffen sowie beim 20. Jubiläum des Jugend- und Ausbildungszentrums in Nkwenda dabei sein. Horst und Annette Elias waren dabei, um sich einen Eindruck der neuen Secondary School für Mädchen in Bweranyange zu machen. Horst Elias ist Lehrer der Birger-Forell-Realschule in Espelkamp, die möglicherweise eine Schulpartnerschaft mit der neuen Mädchenschule eingehen möchte.


Die Reise begann mit einer 1-tägigen Safari im Ngorogora-Krater am Kilimanjaro. Hier im Krater steht ein Denkmal zum Gedenken an Prof. Bernhard Grzimek sowie an seinen Sohn Michael Grzimek, der 1959 bei Dreharbeiten zu "Die Serengeti darf nicht sterben" mit dem Flugzeug abgestürzt ist. Neben eindrucksvollen Tierherden konnte ein kleiner Eindruck vom Leben der Massai gewonnen werden, die in der Region um Arusha in ihrem Kral leben.
Zu den Freunden nach Bweranyange folgten die Besucher dann den Weg ab Arusha über Mwanza über den Viktoriasee bis hin nach Bukoba. Dort erwartete sie bereits der Superintendent Jackson Kanyiginya und die Schulleiterin Miss Sophia Lazaro, um sie herzlich in Empfang zu nehmen. Nach ca. 3 Stunden Autofahrt über staubige Straßen und kam die Gruppe am Office in Bweranyange an und wurde herzlich von der Jugendgruppe des Kirchenkreises begrüßt.

Am Sonntag ging es zum Gottesdienst in die Gemeinde Kamagambo. Da die Kirche für die vielen Gottesdienstbesucher zu klein war, fand er unter freiem Himmel statt. Hier wurde das Gastgeschenk -eine Leinendecke als Altardecke von Ida Allhorn und eine Altarkerze- überreicht. Am Nachmittag fand ein Gesangswettstreit von Frauenchören statt. Das Thema waren die Rechte der Frauen in der tansanischen Gesellschaft.
Seit vielen Jahren wird vom hiesigen Kirchekreis das Baumpflanzprojekt unterstützt. Inzwischen gibt es in jeder der 27 Congregations (Kirchengemeinden) einen gemeindeeigenen Wald, der zu eigenen Einnahmen beitragen kann. Vor Jahren wurde noch Eukalyptus angepflanzt, heute weiß man, dass der Wasserverbrauch des Eukalyptus zu hoch ist, es wird nun überwiegend Pinie angepflanzt.

Die Mitarbeiterinnen des Aids-Control-Projekt haben die Gruppe im Office besucht und einen Überblick über ihre Arbeit gegeben. Sehr erfreulich ist, dass die Arbeit gute Erfolge zeigt, Im Jahr 2002 waren noch 22 % Neuinfizierte bekannt geworden; heute nur noch ca. 8 %. In Karagwe waren es im letzten Jahr nur 5 % und im Bweranyange-District sind zurzeit nur 2,8 % Neuinfizierte bekannt. Die Mitarbeiterinnen berichten, dass sie sich nicht um alle Notfälle, die an sie herangetragen werden, kümmern können, da nicht genügend Geld vorhanden ist. Zurzeit betreuen sie im gesamten Kirchenkreis 50 Familien von Erkrankten mit Hygiene und Ernährungsberatung und versuchen Aidswaisen in anderen Familien unter zu bringen. Auch der Bericht über die Behandlung von schwangeren aidsinfizierten Frauen hat uns sehr beeindruckt. Hier hat der Staat das von der Kirche begonnene Projekt übernommen.
Teilgenommen wurde an der Mitgliederversammlung der vom Bweranyange-District gegründeten Klein-Kredit-Union teil (Saccos). Hier haben die Menschen des dortigen Kirchenkreises die Möglichkeit, Kleinkredite für z.B. Hausbau, Schulgeld für ihre Kinder oder auch um sich ein kleines Geschäft aufzubauen zu bekommen. Die Credit-Union ist noch im Aufbau, es wurde die Werbung von Mitgliedern verhandelt, (auch Nichtchristen können Mitglied werden), die Höhe der Zinsen, der Standort des Office sowie die Erreichbarkeit möglichst aller Menschen in den vielen Gemeinden.

Beim Besuch des kirchlichen Krankenhauses in Nyakahanga wurde auf die desolate finanzielle Lage aufmerksam gemacht. Ärzte und Krankenschwestern verlassen die Gegend und gehen in die Großstädte. Da das Krankenhaus das einzige in der großen Karagwe-Diocese ist, gibt es große Kritik an der Regierung Tansanias, da sie nicht ihre Verantwortung wahrnimmt, für die gesundheitliche Grundversorgung der Menschen zu sorgen. Die wenigen zurückgebliebenen Ärzte und Krankenschwestern müssen große Idealisten sein, dass sie "ihre" Bevölkerung in der Region nicht im Stich lassen. In Zeiten des Malariaausbruchs während der Regenzeit sind ca. 280 Kinder auf der Pädiatriestation, obwohl nur 60 Plätze zur Verfügung stehen. Von den operierten Patienten haben nur 3 Prozent die Chance, keine Infektion zu bekommen.
Beim Besuch des Bischofs erfahren die deutschen Besucher, dass es inzwischen in der Karagwe-Diocese drei ordinierte Frauen gibt, 3 weitere sind in Ausbildung. Auch in der Evangelistenausbildung in Nkwenda gibt es bereits einige Frauen.

Beim Besuch in der Gemeinde Mazinga wurde die delegation herzlich empfangen. Die Ältesten der Gemeinde bedankten sich für die finanzielle Unterstützung durch den Partnerschaftskreis Tansania der letzten Jahre (Renovierung Pfarrhaus, Bau eines Wassertanks) und baten die Abordnung, diesen Dank auch in die hiesigen Gemeinden zu tragen.
Der Bau der neuen Internats-Mädchenschule in Bweranyange ist schon sehr weit fortgeschritten. Die Tansaner sind sehr stolz darauf, dass alles mit einer sehr kleinen "Pflanze" begonnen hat, der Idee, die Ausbildung von Mädchen zu verbessern, und nun diese "Pflanze" bereits gut wächst und gedeiht. Der Dank gilt auch dem Kirchenkreis Lübbecke, der im April diesen Jahres eine Spende von 27.000,00 € geschickt hat, und hier ein weiteres Internatsgebäude für 48 Mädchen gebaut wird. Die Schule hat bereits einen sehr guten Ruf. Getroffen wurden ebenfalls die Schülerinnen, für die ein Stipendium für die Schulausbildung geben wurde.

Am 01.08. zogen wir dann von Bweranyange nach Nkwenda um zum Jugend- und Ausbildungszentrum. Hier wurden vor 20 Jahren die ersten Mauern errichtet für eine Klasse für Schneiderinnen. Seither ist durch regelmäßige Spenden z.B. aus der Pizzeria für Tansania sowie durch eigene erzielte Einnahmen ein Riesenprojekt entstanden, dass eine Gänsehaut verursacht, denn auch hier war der Anfang ganz klein und viele kleine Leute haben sich an vielen verschiedenen Orten für das Projekt eingesetzt. Das Zentrum wird von Obadiah Mukuta geleitet, der in Deutschland im Rauhen Haus in Hamburg studiert hat, und ein wichtiger und verlässlicher Partner auch für die Kontakte nach Deutschland ist. Heute werden in Nkwenda, das als Internat geführt wird, 68 junge Menschen ausgebildet als Schneiderinnen, Tischler, Maurer und Landwirte. Einige Schüler und Schülerinnen in Nkwenda aus dem Bweranyange- District werden ebenfalls vom Partnerschaftskreis Tansania unterstützt. Die Auswahl der Schülerinnen und Schüler trifft der Superintendent Jackson Kanyiginya. Die Ausbildung umfasst neben den fachbezogenen Themen auch Unterricht in Englisch sowie einmal wöchentlich in Landwirtschaft. Für die Farmer vor Ort werden Seminare angeboten, um höhere Erträge im Anbau zu erzielen durch den Einsatz von organischem Dünger. Der Kaffeepreis ist etwas angestiegen, die Erzeuger bekommen in der Region Karagwe 750 TSH (0,42€) je Kilo. Im Süden Tansanias bekommen die Erzeuger zurzeit 2500 TSH (1,39€) je Kilo, bedingt durch eine bessere Kaffeequalität. Aus diesem Grund finden ebenfalls Programme für Landwirte statt, um die Qualität des Kaffees zu verbessern. Im Projekt ist bereits "Yatropha" angepflanzt worden. Aus den Früchten dieser Pflanze kann Öl gewonnen werden als Petrol und Diesel-Ersatz, auch kann Seife und Pflegeöl daraus hergestellt werden.

Das 20-jährige Jubiläum in Nkwenda begann mit einem Gottesdienst, den der Bischof Dr. Benson Bagonza geleitet hat und zu dem viele Gäste gekommen waren. Auch Carsten und Irene Brinkmeyer waren gekommen, Carsten war früher in Arrenkamp zu Hause, heute arbeitet er für die Dänische Mission in Kenia. Carsten Brinkmeyer war zusammen mit Andrea Schäffer vor 20 Jahren beim Bau des ersten Gebäudes dabei als Mitglieder einer Jugendgruppe aus dem Kirchenkreis Lübbecke.
Die Verpflegung während unseres Besuches war ausgezeichnet, es wurde speziell für unsere empfindlichen Mägen schonend gekocht. Besonders genossen haben die europäischen Besucher die frischen Ananas, die im Geschmack von nichts zu übertreffen waren.
Mit vielen Eindrücken, aber auch Fragen und Verständnis für den Partner in Tansania, kehrten die heimischen Besucher zurück - hear and forget - see and remember - do and understand.

Auf dem Foto von links vor dem Haus Kanyiginya: Klaus u. Andrea Schäffer, Superintendent im Kirchenkreis Bweranyange Jackson Kanyiginya mit seiner Frau Viktoria, in der Mitte sein Sohn Masigwa, Horst u. Annette Elias aus Nettelstedt, Andreas Hoffmann (Jugendreferent in Stemwede), Martha (Mitglied der tansanischen Jugendgruppe)